Diagnostik in unserer HNO Praxis

Schwindeldiagnostik

Die Abklärung von Patienten mit Schwindel, Gleichgewichtstörungen oder Sturzattacken erfordert einen hohen zeitlichen, personellen und apparativen Aufwand. Das Problem wird dadurch verschärft, dass die Anzahl der von derartigen Beschwerden betroffenen Personen erkennbar zunimmt. Schwindel ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das viele Ursachen haben kann. Gestresste Menschen könnten ebenso unter Schwindelattacken leiden, wie Menschen mit einer Nervenentzündung, Herzerkrankungen oder einem Hirninfarkt. Dementsprechend schwierig ist die richtige Diagnose. Je nachdem bei welchem Facharzt der Hilfesuchende landet, behandelt ihn dieser mal so, mal so oder überweist ihn zum nächsten Facharzt.

Unser Gleichgewichtsfunktionslabor ist u.a. mit einer modernen Drehstuhleinrichtung ausgerüstet, die alle vestibulo-spinalen, vestibulären und optisch-vestibulären Funktionsstörungen anhand elektro- und/oder videonystagmographischer Ableitungen zulässt.

Nach einer ausführlichen Anamnese und HNO-Basis-Untersuchung mit orientierenden Überprüfungen des peripheren und zentralen Gleichgewichtssystems werden präzensierende technische detailierte Untersuchungen des komplexen Gleichgewichtssystems durchgeführt, beginnend mit einer Untersuchung auf einer Posturographieplattform.

Posturografie

Hier wird das Schwanken um die Mittelachse sowie die Schwerpunktverteilung über den Fußsohlen gemessen.  Dort  lassen sich Störungen der Gleichgewichtsregulation messen, wobei das System nicht nur die Möglichkeit bietet vestibuläre Störungen zu erkennen, es können auch Einflüsse etwa von Seiten der HWS sowie neurologisch bedingte Funktionseinbußen wie Ataxien o.ä. recht genau zugeordnet werden. Danach können weitere Untersuchungen durchgeführt werden, die das periphere und des zentralen System beinhalten.

Lage-/ Lagerungsprüfung

Hier wird untersucht, ob der Schwindel durch eine bestimmte Körperstellung ausgelöst werden kann. Bei der Lageprüfung werden die Augen mit einem Videoaufzeichnungssystem zunächst im Sitzen, dann in Rücken- und Seitenlage auf ruckartige Augenbewegungen (Nystagmen) hin betrachtet. Da die Gleichgewichtsorgane über komplizierte Nervenverschaltungen auch mit den Augen verbunden sind, sind Störungen bei Schwindel auch am Augenzucken zu erkennen. In der Lagerungsprüfung kann erkannt werden, ob der Schwindel durch Bewegung ausgelöst wird. Hier wird der Kopf im Liegen etwas überstreckt, dann erfolgt die Drehung zur Seite und das Aufsetzen. Mögliche Schwindelursachen sind der gutartige Lagerungsschwindel (empfindliches Gleichgewichtsorgan), durchblutungsbedingter Schwindel (z.B. durch Abklemmen der Halsblutgefäße), Schwindel durch starke Verspannungen im Bereich der Halswirbelsäule

Subjektive visuelle Horizontale, Vertikale

Die subjektive visuelle Vertikale (SVV), Horizontale (SVH) ist der sensitivste Test für eine akute einseitige periphere oder zentrale vestibuläre Läsion: In über 90 % aller akuten einseitigen peripheren oder zentralen vestibulären Läsionen findet sich eine pathologische Auslenkung der SVV, SVH. Die Subjektive Vertikale dient der Überprüfung der Otolithenfunktion des horizontalen bzw. vertikalen Bogenganges.

Vestibulär evozierte myogene Potentiale (VEMP)

Diese dienen der Utriculus-, Sacculusdiagnostik (Otolithenorgane) (z.B. bei M. Menière). Okuläre und cervikale vestibulär evozierte myogene Potentiale sind ein Reflex des Gleichgewichtsorgans auf akustische Reize. Der VEMP - Test ermöglicht die Diagnostik verschiedenster Erkrankungen des Sacculus (Morbus Meniére), der Otholithenfunktion und der Funktion des Gleichgewichtsnerven (N. saccularis) c-VEMP sowie des Utriculus o-VEMP. Anhand der cVEMP und oVEMP-Befunde lässt sich ermitteln, ob der obere und/oder der untere Anteil des Gleichgewichtsnerven in die Schädigungsmechanismen im Rahmen einer peripheren Vestibulopathie einbezogen ist

Dreh- und Pendelstuhl

Diese Rotationstests sind empfindlicher als kalorische Tests, obwohl bei einer vollständigen Beurteilung des Gleichgewichtssinns in der Regel beide zum Einsatz kommen. Reaktionen des Gleichgewichtssystems (Bogengangssystems) auf Drehbewegungen  mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Bewegungsmuster werden durchgeführt und mittels VNG aufgezeichnet, Rotationstests liefern weniger falsch-negative Ergebnisse als kalorische Tests und sind als einziger Test für kompensierte unilaterale Läsionen und bilaterale vestibuläre Läsionen geeignet.

Kalorische Prüfung des Gleichgewichtsorgans

Während der Untersuchung liegt der Patient mit leicht erhöhtem Kopf auf dem Rücken. Damit keine Orientierung im Raum möglich ist sind die Augen mittels VNG Brille bedeckt. Durch Spülen des Gehörganges mit kalter oder warmer Luft (30 °C, 44 °C) kommt es zu einer Bewegung der Endolymphe im Vestibularorgan, die mit Schwindel verbunden ist. Bei intaktem Vestibularorgan lässt sich ein Nystagmus also ein typisches seitliches Zucken des Auges, beobachten und auswerten. In der Regel bewegt sich bei der Warmspülung das Auge in Richtung des gereizten Ohres, beim kalten Reiz in die entgegengesetzte Richtung. Mit dieser Technik können auch Patienten mit Trommelfelldefekten untersucht werden.

Head Impulse Test (HIT)

Der Kompfimpulstest (HIT) prüft die Funktion aller 3 Bogengänge und damit die Fähigkeit zur Blickstabilisierung bei schnellen Kopfbeschleunigungen in den optimalen Stimulationsebenen.

• Fixationssupressions Test
• Langsame Blickfolge   
• Optokinetischer Test

Störungen der Augenbewegungen oder ein Nystagmus können Ursachen im Bereich des Hirnstamms begründet sein. Symptome sind u..a. Dreh- oder Schwankschwindel, verursacht zum Beispiel durch einen akuten einseitigen Labyrinthausfall, einen Hirnstamminfarkt oder Kleinhirnerkrankungen.   

Vor dem Blick auf krankhafte Augenbewegungen, zunächst eine Auflistung der sechs physiologischen Formen:

• Blickfolge, Auge folgt bewegtem Blickziel
• Sakkaden, das heißt rasche Blicksprünge von einem Fixationspunkt zum anderen
• Fixation
• Vergenzbewegungen, das heißt Bewegungen, bei denen sich die Augen nicht parallel, sondern relativ zueinander bewegen
• vestibulo-okulärer Reflex (VOR, Signal zur Auslösung der Augenbewegungen kommt aus den Labyrinthen) und
• optokinetischer Reflex (besteht aus langsamen Blickfolgen und Sakkaden).

Diese Augenbewegungen dienen alle dazu, das Blickziel auf der Macula stabil zu halten und so Scheinbewegungen und Unscharfsehen zu vermeiden.

Apperatives Schwindeltraining

Mittels der Posturografieplattform können Muster auf einem seperaten Videosystem geübt werden.